< BC Götzis II - BC Thüringen II , 21.05.2019

29.05.2019 21:21 Alter: 146 days
Kategorie: Mannschaftsmeisterschaft
Von: Robert Schmidt


Saisonbericht Götzis III

Vor wenigen Jahren trafen sich einige Interessierte zum wöchentlichen Badmintonspielen in Götzis und wurden vom Verein BC Götzis wärmstens aufgenommen. Wir waren nicht nur uns, sondern auch diesem faszinierenden Sport gegenüber völlig fremd.


Insofern lernten wir nunmehr sportbegeisterten Vereinsmitglieder in den folgenden Wochen und Monaten nicht nur das Spiel, sondern auch uns selbst unter völlig neuen Bedingungen näher kennen. Da macht der Körper Bewegungen, die er seit seiner Jugend nicht mehr machen durfte. Sehnen und Gelenke dringen in Grenzbereiche ihrer Bewegungsfreiheit vor, die man beim Radfahren, Wandern oder gar beim aktiven Fernsehen nicht erreichen kann. Dementsprechend hallten die Geräusche unserer so malträtierten Körper und unsere Schmerzensschreie zur Belustigung der Kader von den Wänden der großen Turnhalle wider.

Schon bald durften wir Hobbyspieler als Laien in Ligaspielen aushelfen und die Luft der großen weiten Welt in den Nachbargemeinden schnuppern. Dass es bei Mannschaftspielen in der Liga nicht immer so gemütlich zuging wie im fröhlichen Badmintonclub Götzis war ein erster Rückschlag für unsere hart arbeitenden Seelen der Hobbyspieler. „Hilfe, die nehmen das wohl ernst …“ war die überraschende Erkenntnis aus den ersten Spielen. Diese schwere Erfahrung wird zu dem folgenden ungeahnten Motivationsschub bei uns beigetragen haben. Aber wird Motivation allein ausreichen?

Angespornt durch die deutlich sichtbare Leidensfähigkeit der Hobbyspieler merkten die Kader alsbald, wieviel Potenzial in diesen Aspiranten steckte und bildeten umgehend eine zusätzliche Hobbymannschaft Götzis III. Der Name war Programm. Das dritte Rad am Wagen des Vereins durfte nunmehr alle Spieler vereinen, die auch mal an richtigen Spielen teilnehmen wollten und es noch nicht konnten.

Die ersten Ligaspiele verliefen entsprechend erwartungsgemäß: Allein durch den Blick des Gegners hypnotisiert bekamen wir kaum einen Aufschlag übers Netz. Also übten wir die Aufschläge und lernten, beim Aufschlag den Gegnern vorher nicht in die Augen zu schauen. Das hatte Erfolg. Die Aufschläge gingen über das Netz. Die Gegner überrumpelten uns hier fast durchgängig mit einem Return. Wir waren das nicht gewohnt, dass Bälle so scharf zurückkommen. Bisher galt bei uns die Regel: Ist der Aufschlag erstmal drüben, ist der Punkt quasi gemacht. Dass hier richtige Ballwechsel entstehen können hat uns fasziniert. Das wollten wir von nun an auch.

Mit hartem Training und unserem unerschütterlichen Teamgedanken konnten wir die erste Saison als Tabellenletzte abschließen. Wir waren begeistert. Wir waren eine so gefestigte Mannschaft wo jeder die Schwächen des anderen kannte. Unsere Stärken lagen wohl außerhalb des Spielfelds.

Die zweite Saison:
Nun wollten wir es wissen und die Hobbyliga mit Spaß von unten aufrollen. Mittlerweile waren uns die Spielergebnisse völlig egal und wir waren stolz darauf, teilnehmen zu dürfen und die Profis in der Hobbyliga so richtig zu langweilen. Wir spielten extra ins Aus um uns daran zu erfreuen, dass namhafte Vorarlberger Spielerlegenden unseren Ball holen mussten.
Wir haben vor Spielen laut über unsere Taktik beraten um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Wir lachten und waren sichtbar locker und lustig um zu zeigen, dass wir solche Begegnungen souverän meistern. Auf die Ergebnisse hatte dies freilich keinen Einfluss. Wir waren konsequent Tabellenletzte.

Wie es im Leben so ist, dauert keine Party ewig und es gab bedauerliche, personelle Konsequenzen im Team. Der einflussreichste Motivator im Team klinkte sich aus um in Sulzberg ein Haus zu bauen. Eine Spielerin fiel wegen Krankheit mehrere Monate aus. Verzweifelt suchten wir halbiertes Team nach Anschluss im Verein. Doch abseits unserer Mannschaft hatten sich andere Hobbyspieler weiterentwickelt wie wir erschreckend feststellen mussten. Mit viel Bitten und Flehen schafften wir es trotzdem, zu den restlichen Spielen der Saison immer vollzählig anzutreten.

Vollzählig zum Spiel antreten war für uns bisher immer das erklärte Ziel. Welch eine Ironie, dass unsere Mannschaft Götzis III mit halbiertem Team plus Aushilfsspieler nunmehr seine größten Erfolge feiern kann! In irgendeiner Tabelle nach Abschluss 2019 sind wir nicht mehr auf dem letzten Platz. Ich weiß nicht mehr welche. Wir tragen eben doch den Badmintonsport in unserem Herzen.

Interessanter Funfact am Rande ist, dass einige Mitglieder der Mannschaft bis heute das Wort Badminton nicht richtig aussprechen und schreiben können. Aber das soll bei diesem Sport sehr verbreitet sein: Teste Deinen Trainer und lass ihn das Wort aufschreiben!

Herzlich
Robert





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